Wandern in den Mourne Mountains: Wild, mystisch, unberührt

Was packt man ein, wenn man vorhat, im Oktober in Nordirland wandern zu gehen? Vorsichtshalber mal alles, habe ich beschlossen. Das macht sich jetzt bemerkbar, als ich meine Reisetasche schultere und den Weg zum Flughafen antrete. Auf geht’s in Richtung Dublin und dann weiter nach Newcastle im Norden. Mein Ziel sind Mourne Mountains!

Vom Strand in die Berge

Newcastle liegt direkt an der Küste. Bevor es in die Berge geht, mache ich also noch einen Abstecher an den Strand. Das muss sein. Schließlich sehe ich das Meer nicht allzu häufig. In der Ferne brechen Wellen. Es weht ein starker Wind. Und in der Luft liegt dieses salzige Aroma, das es nur an der Küste gibt. Ich atme tief ein. Lausche den Geräuschen der See und genieße den Moment.

Dann wende ich mich den kargen Hügeln zu, die in der Nähe nach oben ragen: Die Mourne Mountains. Rötlich schimmern sie im Sonnenlicht. Über 800 Höhenmeter ragen die höchsten Gipfel in Richtung Himmel. Das klingt im Vergleich zu den Alpen eher niedrig. Allerdings startet man hier ja auch direkt vom Meer aus. Das bedeutet, dass die Höhenmeter von der Seehöhe aus zurückgelegt werden.

Game of Thrones-Mystik

Je näher ich den Bergen komme, umso weniger erinnern sie einfach nur an Hügel. Sie werden schroffer. Wilder. Unbekannter. Ich stehe mittendrin, blicke mich um. Hier herrscht Natur pur. Es gibt keine Berghütten, keine Liftanlagen. Alles wirkt so unberührt und ursprünglich. Kein Wunder, dass einige Plätze in dieser Gegend auch als Drehorte für die beliebte Serie Game of Thrones gedient haben. So wurden beispielsweise Szenen der 1. Staffel im angrenzenden Tollymore Forest Park gedreht.

Aber auch ohne Kostüme und Filmteam fühle ich mich wie in einer anderen Welt. Es wachsen kaum Bäume in den Mourne Mountains. Auch ansonsten sind sie nicht so grün, wie ich es aus den Alpen gewohnt bin. Vielmehr erinnert die Gegend an eine Steppe. Teilweise ist sie felsdurchsetzt. So gibt es immer wieder steile, massive Felswände ringsum zu bestaunen.

Übrigens:
Durch die Mourne Mountains zieht sich die 35 km lange Mourne Wall. Die Mauer, die per Hand errichtet wurde, sollte Tiere ferrnhalten, um die zwei Stauseen in der Mitte der Mournes vor Verunreinigung zu schützen. Das Wasser der Stauseen wird zur Wasserversorgung von Belfast verwendet. Mittlerweile wird es natürlich aufbereitet. Die Mauer steht aber noch immer und ist eine historische Sehenswürdigkeit.

Super enge Schmugglerhöhle

Wir steuern eine der Felswände direkt an. Hier soll sich eine kleine Höhle befinden. Eine von vielen Höhlen in den Mourne Mountains. Vor dem Eingang bin ich mir nicht sicher, ob ich sie wirklich erkunden will. Denn um ins Innere zu gelangen, muss ich mich wirklich, wirklich klein machen. Der Eingang reicht mir nur bis auf Höhe meines Oberschenkels.

Ich gehe in die Hocke, starte die Taschenlampen-App am Handy und krieche ins Innere. Eine Stufe wartet auf mich. Ich komme tiefer hinein. Dann kann ich mich aufrichten. Tageslicht strömt durch die Öffnung. Aber die Höhle ist so schmal, dass ich den Lichtkegel mit meiner Figur verdecke. Ich kann nicht weiter hineinblicken. Tastend bewege ich mich vorwärts. Es wird stockdunkel und auch das Handylicht und ist nur mäßig hilfreich. Angeblich könnte ich hier irgendwo nach oben klettern und würde dann oberhalb einen weiteren Ausgang finden.

Früher haben Höhlen wie diese als Unterschlupf für Schmuggler gedient, die sich in den Mourne Mountains versteckt haben. Heute kommt ein bisschen Abenteuer-Feeling auf, während ich die Dunkelheit erkunde. Trotzdem wende ich mich lieber wieder dem Tageslicht zu. Da fühle ich mich wohler.

Windböen vs. Marlene

Aber auch draußen wird es ungemütlicher. Ein Sturm zieht auf. Die Windböen erreichen bis zu 60 km/h. Teilweise fällt es mir schwer, das Gleichgewicht zu halten. Manchmal muss ich mich regelrecht gegen den Wind stemmen, um vorwärts zu kommen. Das kostet Kraft, macht aber auch Spaß. Der Weg ist zum Glück nicht ausgesetzt oder gefährlich. Deshalb ist es mit einem Lachen im Gesicht zu ertragen.

Zumindest bis der Regen kommt. Da vergeht mir das Lachen kurz. Denn nun werden mir kalte, nasse Tropfen ins Gesicht geweht. Das ist unangenehm. Einer trifft mich direkt ins Auge. Die kneife ich ab jetzt zusammen. Von dem bisschen Regen lassen wir uns doch so kurz vor dem Gipfel jetzt nicht unterkriegen. Und als hätte das Wetter gemerkt, dass es uns nicht von unserem Ziel abhalten kann, hört er so plötzlich wieder auf, wie er gekommen ist. Geht doch!

Aussicht auf die Irische See

Nahezu zeitgleich erreichen wir schließlich den Gipfel des Slieve Binnian. Es stürmt noch immer super stark. So stark, dass wir uns kaum trauen auf den höchsten Punkt wirklich aufzusteigen. Hier seien sogar mal Leute runtergeweht worden. Wir entscheiden uns für die sichere Variante und bleiben etwas unterhalb stehen. Die Aussicht ist von diesem Punkt aus nicht schlechter. Definitiv nicht. Und in einer Sekunde, in der es kurz aufreißt, blicke ich in Richtung Südirland.

Dort ist auch die Irische See schön zu sehen. Man kann beinahe zugucken, wie die Wellen an den Strand einlaufen. Und dort, ganz in der Ferne, dort, wo die Sonne noch scheint, liegt Dublin. Die Hausdächer glitzern im Sonnenlicht und sind dadurch gut sichtbar. Krass, wie weit man einfach schauen kann. Auf der anderen Seite bin ich umgeben von Bergen. Einer davon ist der Slieve Donnard, der mit 849 Metern höchste Berg Nordirlands.

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Fish & Chips sind ein Must-Do

Auch wenn die Mourne Mountains so ganz anders als die Alpen sind, so gibt es doch eine Gemeinsamkeit: Es sei nämlich üblich nach einer Wanderung erstmal ein Pint zu trinken. Na das berühmte Gipfelbier kenne ich doch auch aus Deutschland oder Österreich. Nur dass es hier kein Helles, sondern Guiness gibt. Denn auch in Nordirland ist das Guiness das typische Bier.

Und dazu gibt es direkt am Hafen im Harbour Inn Fish & Chips. Darauf wollte ich nämlich auch nicht verzichten. Mindestens einmal muss ich auf das bekannte und leckere Gericht zurückgreifen. Außerdem haben wir uns das heute verdient. Denn gegen den Sturm zu laufen war bestimmt doppelt so anstrengend, wie ohne Wind zu spazieren.

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