So sieht’s doch nicht in Deutschland aus? Tour durch die Sächsische Schweiz

Die Maler von früher sind wohl die Instagrammer von heute. So zogen vormals Künstler durch die Sächsische Schweiz, um die besonderen Sehenswürdigkeiten, die die Natur zu bieten hat, bildlich darzustellen. Einen Stück des sogenannten Malerwegs bin ich nachgegangen. Von der Basteibrücke, über die Festung Königsstein und den Pfaffenstein bis zum Kuhstall mit der berühmten Himmelsleiter. Nicht mit Pinsel und Papier ausgestattet, dafür mit Smartphone und Notebook im Gepäck.

Der frühe Vogel fängt den Wurm

Ich habe dieses Sprichwort noch nie gemocht. Ich bin einfach kein Frühaufsteher und tue mir schwer damit, das Klingeln des Weckers morgens zu ertragen. Nichtsdestotrotz werde ich um 5:00 Uhr aus dem Schlaf gerissen. Motiviert bin ich um diese Zeit noch nicht. Gesprächig auch nicht. Grummelig drücke ich ein „Guten Morgen“ raus. Das war’s. Ansonsten verhalte ich mich auf dem Weg zur Bastei schweigsam.

Als wir am Parkplatz vor der Basteibrücke ankommen, dämmert es langsam. Der Himmel hat bereits eine dunkelviolette Färbung. Einige Fotografen haben sich an der Ferdinandaussicht auf die Lauer gelegt. Ansonsten ist es still. Ungewohnt. Normalerweise wimmelt es hier von Ausflugsgästen.

Und dann geht’s los. Unwirklich sieht es aus, als die ersten Sonnenstrahlen sich den Weg über den Horizont bahnen. Die Felsnadeln sehen aus als würden sie glühen. Das Sonnenlicht kommt Ton-in-Ton mit den bunten Blättern der Bäume. Unter uns hängen Nebelschwaden.

Der eine oder andere Vogel stimmt den morgendlichen Gesang an. Und ich stehe da. Staunend. Beinahe bleibt mir der Mund offen stehen. Vielleicht lohnt sich frühes Aufstehen manchmal doch, überlege ich. Diesmal hat es sich definitiv gelohnt. Diesen Moment hätte ich nicht missen wollen.

Reise in die Vergangenheit

Der Tag ist jung und wir haben noch viel vor. Die Uhr zeigt gerade mal halb neun an, während wir uns auf den Weg in Richtung Festung Königstein machen. Die alte Burganlage, die früher als uneinnehmbar galt, liegt nur wenige Minuten mit der Bahn vom Kurort Rathen unterhalb der Bastei entfernt.

Wir passieren einen steinernen Torbogen und stehen plötzlich mitten in einer dunklen Rampe, die nach oben hinaufführt. Weit über mir erstreckt sich ein Kreuzrippengewölbe. Es ist düster. Die Luft ist kühl. Wir sind die einzigen Touristen am frühen Morgen. Auf einen Schlag fühle ich mich ins Mittelalter zurückversetzt.

Eine Bewegung lässt mich aufschrecken. Etwas flattert in eine dunkle Ecke. Eine Fledermaus?! Das ist ja fast schon gruselig hier. Doch die vermeintliche Fledermaus stellt sich am Ende als harmlose Taube heraus. Willkommen auf der Festung Königstein.

Die Anlage ist riesig. 13 Fußballfelder groß. Dabei erstrecken sich die Gemäuer über den gesamten Tafelberg und fügen sich in die Bergkonturen ein. Das sieht ziemlich beeindruckend aus. Zum zweiten Mal an diesem Tag bringt mich etwas zum Staunen. Vielleicht liegt es diesmal aber auch daran, dass ich mich sehr schnell für Burgen und Schlösser begeistern kann. Ich mag diese Reise in die Vergangenheit, die man an solchen Orten im Kopf zwangsläufig erlebt.

Super enge Felsspalten

Das Kopfkino geht am Pfaffenstein weiter. Hier stehen zwar keine dicken Burgmauern, dafür führen die Wege durch schmale Felsspalten. Teilweise sind sie so eng, dass ich mich seitlich drehen muss, um hindurchzupassen. An anderen Stellen führen Leitern in den schmalen Klüften nach oben. Da kommt Abenteuerfeeling auf. Ich fühle mich wie in einem Labyrinth. Zwangsläufig frage ich mich, ob hier wohl schon mal jemand stecken geblieben ist?

Wir folgen dem verwinkelten Wegenetz bis zu einem breiten Platz. Es ist eine Mischung aus einem Plateau und vorgelagerten Felssäulen. Sie sind teilweise freistehend. Überall geht es steil bergab. Ich halte mich lieber etwas entfernt vom Abgrund auf. Die Aussicht ist hier nicht weniger gut.

Vor mir erhebt sich die imposante Barbarine. Es ist eine Felsnadel, die beinahe filigran wirkt. Fast gebrechlich. So schlank und groß ragt sie gen Himmel. Beinahe scheint es, als sei diese Säule von Hand aufgestellt worden. Unvorstellbar, dass sie schon Jahrhunderte und Jahrtausende überdauert hat.

Die Barbarine ist aber nicht die einzige skurrile Skulptur in der Landschaft. Irgendwie sieht jeder Fels eigen aus. Bei der Namensgebung haben sich die Menschen vormals wohl auch von den besonderen Formen inspirieren lassen. So heißen die Felsen hier in der Umgebung „Hafersack“, „Toter Zwerg“, „Glatter Turm“, „Luftballon“, „Junggeselle“, „Einsamer Ritter“, „Einsiedler“, „Förster“, ….

Warum heißt der Kuhstall Kuhstall?

Und dann gibt es noch den sogenannten Kuhstall. Der liegt aber etwas weiter entfernt. Tiefer drin im Nationalpark Sächsische Schweiz. Der Kuhstall sieht eigentlich gar nicht aus wie ein Kuhstall. Es ist vielmehr ein riesiges Felsentor. Mit seinen 11 Metern Höhe ist es sogar das zweitgrößte im Elbsandsteingebirge.

Ein Mann bietet an Fotos von uns zu machen. Er sei hier schon häufiger gewesen. Wir fragen, ob er wisse, warum der Kuhstall wohl Kuhstall heißt. Später finde ich in meinem Instagram-Posteingang eine Message von der Bekanntschaft am Felsentor. Eine abfotografierte Infotafel beschreibt, dass die Namensgebung wohl bereits auf den Dreißigjährigen Krieg zurückzuführen sei. Damals habe man dort oben Rinder versteckt.

Auch interessant: Wanderung zum berühmten Kuhstall

Hinter dem Kuhstall geht es noch weiter. Dort führt die sogenannte Himmelsleiter nach oben. Die wirkt auf den ersten Blick nicht gerade wie eine Stiege in Richtung Paradies. Stattdessen werfen meterhohe Wände ihren Schatten auf die eisernen Stufen. Tageslicht erblicken wir erst wieder als wir oben ins Freie hinaustreten.

Dann aber verstehe ich den Begriff „Himmelsleiter“. Denn von hier oben fühlt man sich wirklich als würde man aus dem Himmel auf die Umgebung hinabblicken. Wir treten hinaus aus der Dunkelheit und stehen dann im Herzen des Nationalparks. Von hier schweift der Blick über den Pfaffenstein. Wir sehen die Schrammsteine und können bis in den Tschechischen Teil hinübersehen. Klasse Aussicht!

Zu viel zu sehen, zu wenig Zeit!

Jetzt sitze ich zuhause und versuche all die Eindrücke zu verarbeiten, die ich gesammelt habe. Wir hatten nur zwei Tage Zeit und es gab so viel zu sehen. Viel zu viel zu sehen. Im Nachhinein hab ich außerdem noch gefühlt 1000 Tipps bekommen, was ich mir noch hätte anschauen können. Dazu muss ich wohl nochmal kommen.

Bis dahin gibt es aber auch so so viele Eindrücke zu verarbeiten. Es ist spannend, dass eine solche Gegend in Deutschland liegt. Eigentlich haben die Felstürme eher was asiatisches. Das ist wieder mal der Beweis dafür, dass man nicht weit fahren muss, um interessante Landschaften zu entdecken. Häufig reicht es sogar aus, einfach das traute Heim zu verlassen und einige Schritte in Richtung Natur zu marschieren.

Was gibt es bei euch vor der Haustür für besonders sehenswerte Orte?

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