Wanderung zur Schwalbenwand: Mit ein bisschen Mittelmeerfeeling am Ende

Manchmal werde ich auf einer Bergtour gerne gefordert. Dann such ich meine persönlichen Grenzen und versuche die auch ein bisschen zu verschieben. An anderen Tagen bin ich einfach nur der Natur wegen unterwegs. Da darf es ruhig relaxter zugehen. Denn da möchte ich die Tour genießen, mich nicht voll auspowern, sondern auch den Blick heben können. Der Aufstieg zur Schwalbenwand ist eine von diesen Touren, die optimal zum Runterkommen und Wohlfühlen gemacht sind. Ohne komplett auf die Anstrengung zu verzichten.

Die ersten Schritte sind die schwersten

Wer kennt das auch? Die ersten Schritte fallen schwer. Der Körper ist nicht warm und schon nach wenigen Minuten ist man außer Puste. Mir geht das am Anfang von Wanderungen immer so. Auch zwischendurch, nach einer Pause, muss ich meinen Körper erst wieder einlaufen.

Auf dem Weg zur Schwalbenwand geht das relativ gut. Wir haben am Berggasthof Mitterberg geparkt und von dort führt das erste Stück gemächlich eine Forststraße entlang bergauf. Bis es dann wirklich steiler wird, sind die Muskeln und der Kreislauf schon an die Bewegung gewöhnt.

Kühe bewachen den Weg

An der Schützingalm wird es steiler. Und belebter. Damit meine ich aber nicht, dass plötzlich viele andere Bergsportler ebenfalls den Weg zur Schwalbenwand eingeschlagen haben, sondern ich bin vielmehr umgeben von vierbeinigen Freunden.

Die Kühe hätten auf den saftigen Wiesen ringsum Platz ohne Ende. Dennoch tummeln sie sich alle unmittelbar neben, oder gar auf dem Weg. Ich halte achtsam Abstand, laufe teils weite Bögen und frage mich, ob meine Umwege sich am Ende des Tages in deutlich mehr Tourenkilometern niederschlagen werden.

Ich kämpfe mich durch die Herden, weiche zahlreichen Kuhfladen aus und marschiere über sommerliche Blumenwiesen in Serpentinen immer weiter nach oben in Richtung des ersten Gipfels. Auf einem Felsblock steht das Kreuz des Maishofener Schwalbenwandgipfels auf einer Höhe von 1.895 m. Dahinter fällt der Berg steil ab. Ich lehne mich über das Geländer und blicke in die Tiefe. Kurz muss ich schlucken. Es geht echt krass nach unten.

Immer am Kamm entlang

Der zweite Gipfel der Schwalbenwand liegt etwas höher. Etwa 100 Höhenmeter muss ich von hier bis zum Gipfelkreuz auf 2.011 Meter noch bewältigen. 25 Minuten sagt der Wegweiser hierfür an. Ich habe wahrscheinlich länger gebraucht. Ein paar Fotostopps lassen 25 Minuten auch schnell zu einer Stunde werden. Aber das musste eben auch sein.

Der Weg führt immer an der abreißenden Bergkante entlang. Links blicke ich ins Glemmtal hinein. Rechts hab ich stets das Kitzsteinhorn und die Aussicht auf Zell am See-Kaprun im Blick. Dort wird es richtig hochalpin. Die Berge in diese Richtung sind noch schneebedeckt und ich kann sogar den Nationalpark Hohe Tauern sehen. Stark. Ich weiß gar nicht, wo ich zuerst hinschauen soll.

Warum es lohnt, früh zu starten

Beim Absteigen fällt erst auf, wie beliebt diese Tour doch ist. Uns kommen viele Menschen entgegen. Fröhlich quatschende Wandergruppen, entspannte Pärchen und Familien mit Kindern an der Hand. Während wir die Wanderwege nahezu für uns alleine hatten – von den Kühen mal abgesehen – sind sie jetzt voll. Da hat es sich doch gelohnt, früher unterwegs zu sein.

Während sich also die Wanderfreunde auf den Wanderwegen ausbreiten, kehren wir am Ausgangspunkt unserer Tour in den Berggasthof Mitterberg ein und nehmen auf der Terrasse mit Seeblick Platz. Ich bestelle einen Eiskaffe. Der wird mit einer goldenen Palme geliefert.

Da sitze ich nun. Im T-Shirt. Schlürfe meinen Eiskaffee und lasse den Blick über den hellblauen See schweifen. Fast wie am Mittelmeer. Frei nach dem Motto: „Wenn ich den See seh, brauch ich kein Meer mehr.“ Aber der Gedanke an Strandurlaub verfliegt genauso schnell, wie er gekommen ist. Denn wenn ich den Kopf ein bisschen hebe, schaue ich geradewegs auf den Gletscher. Und spätestens jetzt weiß ich ganz sicher: Bei dem Blick brauche ich wirklich kein Meer mehr!

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