Wandern in der Schweiz: 3 schöne Orte in Graubünden

Die Vorfreude steigt, als ich der Landschaft vor dem Zugfenster beim Vorbeiziehen zuschaue. Grüne Weideflächen treffen auf schroffe Gipfel. Hin und wieder stürzt ein Wasserfall in die Tiefe und an wieder anderer Stelle komme ich an idyllischen Bergdörfern vorbei. Typisch Schweiz, schießt es mir durch den Kopf. Aber was ist denn schon „typisch“ für die Schweiz? Und woher weiß ich das überhaupt? Bisher war ich nur zum Skifahren hier. Im Sommer kenne ich das Land und seine Wanderregionen kein bisschen. Aber das soll sich ja jetzt ändern. Denn in den kommenden Tagen werden ich Graubünden mit den Orten Davos-Klosters, Arosa und Lenzerheide näher kennenlernen.

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Wanderung ins Sertigtal in Davos-Klosters

Pünktlich zum Abendessen treffe ich in Davos-Klosters ein. Perfekt. Ich freu mich schon den ganzen Tag auf ein großes Schweizer Rösti. Das schmeckt ganz anders als die dreieckigen Rösti, die ich aus deutschen Wirtshäusern kenne. Und es ist hier auch nicht nur die Beilage, sondern füllt den kompletten Teller. Mit den letzten Bissen habe ich zu kämpfen. Aber ich brauch ja Kraft für die Woche. Am Folgetag steht nämlich schon direkt die erste Wanderung an.

Los geht’s nach dem Frühstück um 8:00 Uhr. Die Rinerhorn-Bahn bringt mich nach oben. Denn diesmal werde ich nicht bergauf, sondern vorwiegend bergab wandern. Angesichts der Temperaturen, die die 30-Grad-Marke selbst in dieser Höhenlage überschritten haben, finde ich das auch gar nicht schlimm. Im Gegenteil. Schon so strengt jeder Schritt mehr an als gewohnt.

Um mich herum brummt und summt es überall. Die Natur ist hier gerade erst aus dem Winterschlaf erwacht. Bis vor kurzem lag noch Schnee. Jetzt leuchten Blätter und Gräser in frischem Hellgrün. Dazwischen blühen Blumen. Alpenrosen, Frauenschuh, Enzian, Rotklee … ein wahres Farbspektakel! Die üppigen Blumenwiesen konkurrieren mit dem grandiosen Bergpanorama rundherum, das den Blick aufs Jakobshorn, den Weißfluhgipfel und den Amselfluh ermöglicht. Was schöner ist? Keine Ahnung! Ich genieße beides, zudem die warmen Sonnenstrahlen auf der Haut und die Bewegung an der frischen Luft. Es geht weiter hinab in Richtung Sertigtal. Etwa drei Stunden soll der Abstieg dauern. Das kommt gut hin und wird aufgrund der Wegführung durch Wälder, weitere bunte Wiesen und vorbei an kleinen Rinnsalen an keiner Stelle langweilig.

Mein persönliches Highlight kommt aber erst ganz zum Schluss. Am Ende des Sertigtals, als es schon längst eben und nicht mehr weiter bergab geht, wartet ein eindrucksvoller Wasserfall. In drei Sektionen donnert das Wasser mit einer enormen Lautstärke in die Tiefe und wird schließlich vom Sertigbach abtransportiert. Wasserstaub steht in der Luft und reflektiert das Sonnenlicht. Um mich herum tanzen kleine Regenbogen. Außerdem ist es hier angenehm kühl.

Daten & Fakten zur Tour ins Sertigtal
Dauerca. 2 h
Höhenmeter↑100 ↓350
Schwierigkeitleicht
EinkehrtippWalserhuus Sertig,

Aussichtsreiche Gratwanderung in Lenzerheide

Am Folgetag geht’s weiter nach Lenzerheide. Mit dem Auto sind das nur knapp 30 Minuten. Ich behalte die Fahrbahn im Blick. Bei all den Kurven muss ich darauf achten, dass mir nicht übel wird. Das stickige Auto wird aber schon bald von der Bergbahn mit Frischluftbrise abgelöst. Im Sessellift geht’s weiter hinauf zum Piz Scalottas. Zuvor bin ich noch nie Sessellift im Sommer gefahren. Das ist aber bei diesem Wetter echt sehr angenehm. Ich lasse mir den Wind um die Nase wehen, strample mit den Beinen über den Bike Trails, die sich in der Lifttrasse unter mir schlängeln und genieße die Aussicht. Hinter mir sind das berühmte Parpaner Rothorn und das Lenzerhorn zu sehen. Dort würde ich ja auch gerne mal hinauf. Diesmal liegt aber noch zu viel Schnee.

Stattdessen starte ich also auf eine aussichtsreiche Kammwanderung von Piz zu Piz. Ein Grasgrat verbindet den Piz Scalottas mit dem Piz Danis. Aussichtsreich ist es schon von Beginn an. Zu meiner Linken liegt der Heidsee neben dem Ort Lenzerheide in der Sonne. Dahinter sind wieder die markanten Berggipfel zu sehen. Und ich setze einen Fuß vor den anderen und marschiere durch Felder voller blauem Enzian. Während ich bei anderen Wanderungen die Augen offen halten muss, um überhaupt einen einzigen Enzian zu sehen, blüht die Pflanze hier massenhaft.

Kurz vor dem Ziel wird es steiler. Die Stufen sind anstrengend. Ich schwitze und atme schwer. Trotz der Kürze der Tour ist jeder Schritt in der Hitze anstrengend. Immerhin steht hier am Grat die Luft niemals vollkommen still. Es weht immer ein leichtes Lüftchen. Das macht auch den letzten Anstieg ein klein wenig angenehmer. Oben strecke ich die Arme aus und freue mich, dass ich hier sein darf. Kein Mensch ist uns entgegen gekommen. Wir haben diese Bergwelt heute ganz für uns alleine. Das liegt vielleicht auch daran, dass wir zu spät dran sind. Die letzte Bahn nach unten verpassen wir. Stattdessen ist runterlaufen angesagt. Geht auch.

Daten & Fakten zur Tour vom Piz Scalottas zum Piz Danis
Dauerca. 3,5 h
Höhenmeter↑200 ↓1.000
Schwierigkeitleicht
EinkehrtippJune Hütte

Wanderung zum schönsten Bergsee in Arosa

Am nächsten Morgen bringen uns die öffentlichen Verkehrsmittel ins Nachbartal. Obwohl der Nachbarort von Lenzerheide „nur“ vom Parpaner Rothorn und den umliegenden Bergen getrennt werden, dauert die Fahrt ins benachbarte Arosa knapp 2 Stunden. Aber wie schon bei der Anreise klebe ich während der Fahrt förmlich am Fenster. Die Landschaft fliegt an mir vorbei. Wasserfällen wechseln sich ab mit Bergseen. Hin und wieder versperrt ein Tunnel die Sicht. Und dann bin ich auch schon da. Steige aus dem Zug und stehe direkt vor dem Obersee, der mitten im Ortsinneren liegt. Rundherum sind Häuser.

Ich bewundere den See noch, während es mit der der Bergbahn weiter nach oben geht. In Richtung Arosa Bärenland. In einem großen Gehege leben mittlerweile drei Braunbären, die aus der Gefangenschaft befreit wurden. Die drei Tiere haben vorher in so kleinen Käfigen gehaust, dass sie sich kaum bewegen konnten und wurden als lebende Attraktionen gehalten. Nach einem kurzen Abstecher ins Bärenland, in dem sich nur Bär Napa in der Sonne präsentiert hat, geht es wieder zu Fuß weiter. Diesmal zu einem der schönsten Seen der Region, zum Älplisee.

Der Aufstieg führt zuerst über eine breite Forststraße weiter nach oben und mündet etwa 30 Minuten später in einem schmalen Pfad. Von jetzt an wird es landschaftlich mit jedem Meter schöner. Irgendwann überwinde ich eine Kurve und mag meinem Blick kaum trauen, als unter mir der Schwellisee in der Sonne leuchtet. Das Wasser ist so türkis, dass es beinahe unecht wirkt. Es ist, als habe man Farbe in den See geschüttet. Wenn der Schwellisee schon so aussieht, wie mag wohl der Älplisee dann erst sein?

Die Frage wird einige Höhenmeter später beantwortet. Zuerst mussten wir noch steiler nach oben aufsteigen. Neben mir rauscht ein reißender Fluss in die Tiefe. Hier ist die Schneeschmelze noch in vollem Gange und sorgt dafür, dass die Gewässer ringsum viel mehr Wasser führen als gewöhnlich. Außerdem sind somit auch die höher liegenden Gipfel ringsum noch immer schneebedeckt. Durch diese Kombination wirkt die Natur nicht nur lebendig blühend, sondern auch wild und ungestüm. Auch am Ufer des Älplisees liegt noch Schnee. Zumindest am linken Rand. Es ist nicht schwer vorstellbar, dass hier vor wenigen Tagen noch Eisschollen auf dem Wasser geschwommen sind. Auf der rechten Seite wird er jedoch von einer saftig grünen Blumenwiese eingerahmt. Und im Hintergrund ragen schroffe Felswände empor. Der Kontrast ist es, der dem See tatsächlich eine Einmaligkeit verleiht. Hier hat man uns nicht zu viel versprochen. Ein Abstecher hier hoch lohnt sich definitiv.

Daten & Fakten zur Tour zum Älplisee
Dauerca. 3,5 h
Höhenmeter↑300 ↓400
Schwierigkeitleicht
EinkehrtippArosa Bärenland

Auf der Suche nach den besten Wanderungen in der Schweiz

Drei schöne Orte in der Schweiz habe ich mir damit schon ansehen können. Ich würde gerne wiederkommen und noch mehr entdecken. Noch weitere Trails kennenlernen, mehr schöne Bergseen sehen und auf abgelegenen Pfaden wandern. Oh, und mich natürlich wieder von den regionalen Köstlichkeiten der Schweizer Küche verwöhnen lassen. 🙂 🙂 Auf YouTube habe ich bereits den einen oder anderen Hinweis bekommen, was ich mir bei einem zukünftigen Trip in die Schweizer Bergwelt unbedingt anschauen sollte. Vielleicht habt ihr hier aber noch weitere Tipps?! Welche Regionen, Dörfer und Berge sind in der Schweiz denn noch sehenswert? Ich freue mich auf eure Kommentare und Feedback! 🙂

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