Aller Anfang ist schwer: Der Weg bis zum Koasalauf

Ein Stock findet links neben mir im Schnee halt. Der andere rutscht weg. Ich rudere mit den Armen. Versuche das Gleichgewicht zu halten. Konzentriere mich auf einen festen Stand. Puh. Gar nicht so einfach. Nun stehe ich bereits seit November auf den Langlaufski und habe hin und wieder noch immer Probleme mit der Koordination und dem Gleichgewicht. Die Sportart fordert mich mehr, als ich Anfangs dachte. Und jetzt steht bald der Koasalauf bevor. Das kann ja heiter werden. Doch der Rückblick beweist: Ich habe bis hier her auch schon einiges erreicht …

Wie alles begann

„Warst du schonmal Langlaufen?“ Ich verneine. Eine folgenschwere Antwort. Einige Monate später bin ich Teil des Nordic Team Tirols. Teil eines Zusammenschlusses aus Langlaufanfängern, die in vier Trainingseinheiten fit für den 50 Kilometer langen Koasalauf gemacht werden sollen. Ahnungslos fahre ich zum ersten Trainingslager in Seefeld. Uns steht eine Leistungsdiagnostik bevor, wir bekommen Trainingspläne und die Ausrüstung in die Hand gedrückt. Und los geht’s. Schon stecke ich mittendrin im Abenteuer „Langlauf“.

Mühsame Versuche auf Skirollern

Was dann folgt ist viel schwieriger als gedacht. Zumindest, was die Technik angeht. Es liegt noch kein Schnee. Stattdessen üben wir in Seefeld zuerst auf Skirollern. Die Trainer geben fleißig Tipps. Feilen hier und da an der Technik. Wackelig „gleite“ ich über den Asphalt. Rutsche hier und da auf dem Hosenboden Hügel hinunter, breche einen Stock ab und sehne mir die erste Einheit auf Langlaufski im Schnee herbei. Doch Dank des Teams gilt: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Für die anderen ist es auch ungewohnt. Wir werfen uns immer wieder aufmunternde Blicke zu. Es kommt zu unterstützenden Gesprächen. Wir schaffen das! Das ist der gemeinsame Tenor.

Von Leistungsdruck und Zweifeln

In Obertilliach soll es zum ersten Mal auf die Loipe gehen. Endlich. Geschneit hat es so früh im Jahr noch nicht. Das Schneedepot im Biathlonzentrum sorgt dennoch für einen präparierten Rundkurs. Ich lasse die Skiroller im Auto zurück. Schnalle stattdessen die Ski an. Und lande direkt auf dem Hinterteil. Verdammt. Um mich herum sausen Langläufer in hautengen Rennanzügen als hätten sie noch nie etwas anderes gemacht. Ich fühle mich auf der knapp 2 Kilometer langen Rundloipe wie ein Hindernis, fange an mich zu vergleichen. Das sind alles Profis, rede ich mir ein. Sind sie wirklich. Sogar das Nationalteam der USA ist zum Trainieren angereist. So richtig tröstet mich das trotzdem nicht. Vielleicht werde ich mit dieser Sportart einfach nicht warm.

Die ersten Erfolgserlebnisse

„Nicht den Kopf hängen lassen. Das war das erste Mal auf  Schnee.“ Dafür sei es eh sehr gut gewesen, reden uns unsere Trainer aufmunternd zu. Bei der dritten Einheit in Galtür tut sich schließlich was. Am ersten Tag bin ich zwar wackelig wie eh und je unterwegs. Dann spüre ich irgendwann erstmals, wie sich diese Gleitphase anfühlen soll. Langsam gewöhne ich mich auch an die Schrittarten. So geht ja tatsächlich was vorwärts. Nicht nur streckenmäßig läuft es endlich, sondern auch eine Lernkurve ist zu sehen. Steiler als erwartet. 10 Kilometer legen wir von Galtür bis nach Ischgl auf der Loipe zurück. Wer hätte das gedacht? Das macht ja doch Spaß!

Jetzt wird’s ernst

Im Tannheimer Tal liege ich schließlich aufgeregt im Bett. Mein erster Wettkampf steht bevor. Nicht nur der erste Langlaufwettkampf, sondern der erste Wettkampf überhaupt. Unruhig wälze ich mich hin und her. Das kann ja heiter werden. Bin ich wirklich schon so weit? Mindestens genauso unruhig stehe ich am nächsten Tag mit der Startnummer 4376 an der Startlinie. Mein Atem geht ungleichmäßig. Die Beine zittern. Doch nach dem Startschuss läuft es besser als erwartet. Ich hänge mich an einen älteren Herrn. Laufe gleichmäßig sein Tempo mit, schaffe es ohne Stürze ins Ziel. 19 Kilometer in 1:28 Stunden. Keine Bestzeit verglichen mit den ersten, die die Distanz knapp in der Hälfte der Zeit geschafft haben. Und trotzdem bin ich stolz auf mich. Stolz auf das Nordic Team Tirol. Das Ziel rückt in greifbare Nähe.

Das war’s noch nicht

Jetzt steht nur noch der Koasalauf bevor. Immer, wenn ich den Kalender aufschlage, sticht mir das Datum vom 10. Februar in die Augen. Da ist es also so weit. Dann werde ich an einem der größten Volksläufe in Österreich teilnehmen. Zwar voraussichtlich nicht auf der 50 Kilometer langen Strecke, aber immerhin auf 28 Kilometer. Und am Ende ist es wohl nicht die Distanz, die ausschlaggebend ist, sondern der Erfolg, dass es wirklich in wenigen Monaten machbar war, vom Langlaufanfänger zu den ersten Volksläufen zu kommen. Auch ein bisschen Wehmut schwingt mit, wenn ich an den finalen Tag denke. Denn dann endet die Zeit mit dem Nordic Team Tirol. Eine Zeit, in der ich ein neues Hobby kennen und lieben gelernt habe. Und eine Zeit, in der ich Dank des Teamgeists weiter gekommen bin, als ich anfangs selber dachte.

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One thought on “Aller Anfang ist schwer: Der Weg bis zum Koasalauf

  1. Ein sehr mutmachender Bericht, dass man im Leben vieles schaffen kann, auch wenn anfangs die Hürden sehr hoch erscheinen. Uns ist nichts unmöglich!!! Das ist doch unglaublich.
    Danke, dass Du es aufprobiert hast, Dich darauf eingelassen hast und uns alle daran teilhanben lässt.

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