Der Winter ist noch nicht vorbei: Skifahren in Ischgl

Ich fahre mit der allerersten Gondel im Skigebiet Ischgl nach oben. Um mich herum sind Angestellte der Bergbahnen, die sich auf ihren Arbeitstag einstimmen. Ich hingegen trage den Skihelm unterm Arm und meine Ski baumeln von der Halterung unter der Decke. Noch vor allen anderen werde ich heute meine Spuren in den Schnee ziehen dürfen. Perfekt. Denn es ist Kaiserwetter angekündigt und wahrscheinlich werden viele Skifahrer diese Skibedingungen nochmal ausnutzen. Ist ja schließlich eine der letzten Möglichkeiten in der Saison.

Morgenstund hat Gold im Mund

Sagt man so schön. Und heute stimmt das voll und ganz. Die Gipfel rund um den Pardatschgrat werden von der aufgehenden Sonne angestrahlt. Der Himmel ist strahlend blau. Keine einzige Wolke ist zu sehen. Unter den Schritten meiner Skischuhe knirscht der Schnee. Das hört sich an wie im Hochwinter. Dabei haben wir schon Ende März. Okay, ich hab richtig Lust auf die erste Abfahrt. Ich bücke mich, mache die Skischuhe zu. Dann rastet die Bindung ein. Kann losgehen! Auf den ersten zwei Abfahrten bin ich ganz alleine unterwegs, habe den Platz, den ich brauche und genieße das Gefühl, das damit einhergeht. Es ist der perfekte Auftakt in den Skitag.

Grenzübergreifendes Skigebiet mit 236 Pistenkilometern

Bevor ich auf die ersten gleichgesinnten Skifahrer treffe, bleibe ich nochmal stehen. Genieße die Aussicht vom Pardatschgrat aus. Mein Blick wandert über das weite Fimbatal bis zum Palinkopf. Irgendwo dahinter geht es nach Samnaun hinab in die Schweiz. Wenig später, nicht mehr alleine, sondern umgeben von anderen Skienthusiasten, nehme ich einen Teil der Schmugglerrunde mit. Die Skirunde gibt es in drei Ausführungen. Die längste ist mit der Farbe Gold markiert und führt auf über 35 Kilometer fast durch das gesamte grenzübergreifende Skigebiet.

Mein erstes Mal im Snowpark

Ich fahre die Runde allerdings nicht zu Ende. Eine andere Mission steht auf dem Plan. Der Snowpark ruft. Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht der große Freestyler bin. Im Gegenteil. Ich meide Hindernisse zum Springen oder Drüberrutschen. Aber man muss sich ja irgendwann mal neue Herausforderungen suchen. Der „Bagjump“ sei für Einsteiger, hat man mir gesagt. Okay. Ich atme tief ein und aus. Hinter der Schanze, die sich vor mir auftut, steht zwar ein Luftkissen, aber trotzdem ist mir etwas mulmig zumute. Aber wenn ich jetzt schonmal da bin …

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Augen zu und durch!

Ich lasse die Stöcke oben liegen, schiebe die Skibrille über die Augen und mache mich bereit. Innerlich zähle ich einen Countdown herunter. Drei, zwei, eins … das war’s. Ab geht’s. Ich gehe leicht in die Knie, nehme Anlauf und werde ganz schön schnell. Eigentlich zu schnell. Soll ich nochmal bremsen? Ja? Nein? Vielleicht doch? Zu spät. Vor mir tut sich bereits die Schanze auf. Ich sause drauf zu und dann direkt darüber hinweg. Körperspannung halten. Dann bleibt keine Zeit mehr zum Nachdenken. Die Zeit in der Luft vergeht wie im Flug. Im wahrsten Sinne des Wortes. Kurz darauf spüre ich die weiche Oberfläche des Luftkissens unter mir. Ich blicke an mir herab. Unverletzt. Gott sei Dank. Und es hat Spaß gemacht. Gleich nochmal!

Verdiente Mahlzeit

Nachdem der Adrenalinspiegel wieder ein bisschen gesenkt ist, knurrt der Magen. Das frühe Aufstehen und all die Aufregung haben ganz schön Energie gekostet. Zeit, um die Kraftreserven wieder aufzufüllen. Schon auf der Hinfahrt habe ich verkündet, dass ich mir unbedingt das neue Slopefood-Restaurant an der Gampenbahn ansehen möchte. Also nichts wie dorthin. Das Selbstbedienungsmodell funktioniert ähnlich wie bei Mc Donalds und Co. An einem Schalter wird das Essen bestellt, frisch zubereitet und ist anschließend sofort zum Mitnehmen bereit. Geht schnell und ist super einfach. Allerdings werden die Gerichte alle in Verpackungen geliefert. Teller, Gläser und Besteck wären mir vor allem hier oben in der Bergumgebung lieber.

Sonne genießen und abschalten

Dann geht’s zum gemütlichen Teil des Tages über. Kilometer reiße ich am Nachmittag keine mehr. Aber das ist nicht schlimm. Die angenehmen Temperaturen und die Sonne laden auch so zum Verweilen am Berg ein. Entspannt strecke ich die Beine aus, lege den Kopf in den Nacken und sauge gierig die Sonnenstrahlen auf. Nach dem langen Winter wird es Zeit, dass es Frühling wird. Und wenn man den Frühling dann auch noch so lange es geht bei der Lieblingsbeschäftigung im Schnee auskosten kann, ist mir das nur recht.

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