Olympische Jugend-Winterspiele 2020: Mittendrin statt nur dabei

Aufgeregt bin ich. Gleichzeitig steigt die Vorfreude. Ich bin endlich mal wieder auf dem Weg in die Schweiz. Diesmal aber nicht, um selbst zu sporteln, sondern vielmehr, um Sportler anzufeuern. In Lausanne werden nämlich die Olympischen Jugend-Winterspiele 2020 ausgetragen und ich darf bei einigen Bewerben Live dabei sein. Und noch während ich meine eigene Aufregung über diese Großereignis hinunterschlucke, frage ich mich, wie sich dann wohl erst die Athleten fühlen müssen.

Interview mit Goldmedaillen-Gewinnern

Für mich geht es nach St. Moritz. Dort finden Wettkämpfe in den Disziplinen Rennrodeln, Rennrodeln Doppel, Monobob und Skeleton im Eiskanal sowie Eisschnelllauf auf der Eisbahn am St. Moritzsersee statt. Insgesamt treten die jungen Sportler, die nicht älter als 18 sind, während der Olympischen Jugend-Winterspielen in 8 Sportarten und 16 Disziplinen gegeneinander an.

Aufgeregt sind sie alle. Das verraten mir die Rennrodlerinnen Jessica Degenhardt und Vanessa Schneider, die ich beim Training im Eiskanal treffe. Schon seit klar ist, dass sie an den Olympischen Winterspielen teilnehmen dürfen. Die beiden Mädels sind gerade im Doppel durch die steile Eisbahn nach unten gesaust. In der Horseshoe-Kurve habe ich sie kurz vorbeifliegen sehen. Ungefähr 70 km/h hatten sie da schon drauf.

Nach unten hin wird es noch mal flotter. Mit um die 120 km/h düsen die Athleten in den Zieleinlauf hinein. Angst sei da fehl am Platz, meint Jessi. Vanessa nickt, stimmt zu. Sie liegt beim Doppel unten und kann kaum mehr sehen als den Helm ihrer Teampartnerin. Ohne blindes Vertrauen geht das nicht. Doch die zwei sind ein eingespieltes Team.

Wie eingespielt die beiden sind, beweisen sie nur drei Tage später und sichern sich die Goldmedaille im Damen Doppel! Auch im Doppel der Herren ging der erste Platz an Deutschland. Moritz Jäger und Valentin Steudte haben bereits einen Tag zuvor die begehrte Medaille abgestaubt.

Teamwork auch beim Eisschnelllauf

Nicht nur beim Rennrodeln Doppel kommt es auf Vertrauen und Zusammenarbeit an. Auch beim Eisschnelllauf Mixed-Team Rennen geht es um Teamwork pur. Die Besonderheit ist hier, dass in den Teams sowohl Mädels als auch Jungs mitfahren und verschiedene Nationen zusammengewürfelt sind.

Schon als ich mich am Wettkampftag der Eisschnelllaufbahn auf dem gefrorenen St. Moritzersee nähere, liegt eine gewisse Aufregung in der Luft. Es ist diese Spannung, die schon von Weitem zu spüren ist. Musik spielt. Choreographien werden getanzt. Trainer besprechen sich. Athleten laufen sich in den Rennanzügen warm. Die leichte Gänsehaut ergreift auch mich.

Dann ertönt der Startschuss und die ersten Teams rennen los. Kufen klacken auf der harten Eisfläche. Der Rhythmus ist schnell gefunden. Im Gleichschritt laufen die jungen Athleten ihre Runden. Trotz der Geschwindigkeit und des Powers sieht es anmutig aus, wie sie um die Kurven gleiten.

Diesmal ist in den besten drei Teams kein deutscher Athlet dabei. Doch das Gewinnen sei nicht alles, verrät mir Victoria Stirnemann später. Sie selbst ist eben noch übers Eis gejagt und steht mir jetzt in der Team-Germany-Jacke gegenüber. Zwar seien die Medaillen immer ein Ziel, aber gerade bei dem Mixed-Event gehe es auch um das Knüpfen neuer Freundschaften. Das gehöre ebenso dazu.

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Die Olympischen Jugend-Winterspiele 2020 finden vom 9. bis zum 22. Januar in Lausanne statt. Mehr erfahren>

Gleichzeitig strahlt sie während sie davon spricht, wie toll sie es findet, diese Erfahrung anlässlich der Winterspiele machen zu dürfen. Schließlich sei man als Eisschnellläuferin auch nicht alle Tage auf Natureis unterwegs. Und erst recht nicht in einer Umgebung wie dieser.

Ich selbst lasse den Blick über die verschneiten Berge ringsum schweifen und stimme ihr innerlich zu. Selbst für mich als Außenstehende ist das eine mega Erfahrung. Mittendrin statt nur dabei!

Und zum Schluss … Skifahren!

Die Zeit ging viel zu schnell vorbei. Schon ist wieder Abreisetag. Zumindest für mich. Die Sportlerinnen und Sportler werden noch bis zum 22. Januar 2020 um die begehrten Medaillen kämpfen.

Bevor es für mich aber auf die Autobahn und wieder zurück nach München geht, muss noch ein Abstecher im Skigebiet sein. Das gehört ja irgendwie dazu, wenn ich schon mal da bin. Das Wetter meint es genauso gut mit uns, wie schon in den letzten Tagen. Die Sonne strahlt mit mir um die Wette. Der blaue Himmel bildet einen Kontrast zu den weißen Berggipfeln.

Breite Pisten schlängeln sich im Teilskigebiet Corviglia nach unten. Insgesamt gibt es im Skigebiet Engadin-St. Moritz sogar knapp 300 Abfahrtskilometer. Ich bin gefühlt fast alleine unterwegs. Der Schnee ist kalt und trocken, staubt bei jedem Schwung. Ich genieße die letzten Schwünge. Lasse die vergangenen Tage dabei Revue-passieren.

Das war alles so ganz anders, als ich es aus dem TV kenne. Es hat mich richtig gepackt. Dieses begeisternde Gefühl nehme ich auch mit nach Hause. So läuft auch jetzt, während ich diese Worte schreibe, im Nachbar-Tab der Live-Ticker. Ich fiebere bei den Wettkämpfen mit.

Die Olympischen Jugend-Winterspiele haben einen neuen Fan hinzugewonnen: Mich!

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