Schmugglerrunde: Auf Skiern von Österreich in die Schweiz

Die Abfahrt in die Schweiz ist lang. Und leer. Und schön. Das bedeutet freie Fahrt. Meine Oberschenkel machen sich bemerkbar. Ich ignoriere sie. Es ist gerade viel zu schön, ich bin voll im Flow und ich will hier jetzt garantiert nicht stehenbleiben. Ein paar Pisten hab ich heute schon hinter mir, aber das ist definitiv eine der längsten Abfahrten der Schmugglerrunde. Einmal durch das ganze Skigebiet der Silvretta Arena Ischgl-Samnaun führt die lange Skirunde.

60 km durch ganz Ischgl bis in die Schweiz

Ich starte früh aus Ischgl. Wenn ich die Schmugglerrunde Gold fahren möchte, liegen über 60 Kilometer quer durch das Skigebiet vor mir. Es gäbe mit den Runden Silber und Bronze auch noch zwei kürzere Abstufungen, aber mein Ehrgeiz ist schon ein wenig gepackt. Außerdem ist früh starten immer eine gute Idee: Dann sind die Pisten noch mit Riffeln versehen und dadurch, dass im Skiurlaub viele doch ein bisschen länger schlafen, sind die Abfahrten vormittags oft auch noch leerer.

Auf der Idalp geht der Plan zumindest auf. Noch sind kaum andere Skifahrer unterwegs. Deshalb halte ich mich auch nicht mehr lange mit der Routenbeschreibung auf. Es geht in Richtung Paznauner Taja hinab. Dort kehren wir aber nicht direkt ein. Erstmal fahren wir uns ein bisschen ein.

Das geht schneller als gedacht. Vom Palinkopf über die Piz Val Gronda bis zur Gampenbahn wird mir ordentlich warm. Eine der längsten Abfahrten der Runde wartet aber erst noch auf mich: Die lange Piste bis nach Samnaun hinab.

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Shoppen oder Skifahren?

Auf der Piste bin ich wirklich ganz alleine unterwegs. Es ist traumhaft. Und landschaftlich super schön. Teilweise fahre ich direkt an steilen Bergflanken vorbei. Die enden quasi unmittelbar am Pistenrand. Mega. Mein Blick wandert die Felswände entlang nach oben. Und noch ein bisschen weiter. Dahinter sind nämlich noch mehr schneebedeckte Riesen zu sehen. Wahnsinn.

Außerdem scheint es sich hier um ein Schneeloch zu handeln. Kurz vor dem Skiort ist es besonders verschneit. Alles sieht so fluffig aus. Ein bisschen wie das Winterwunderland, das man sich zu Weihnachten immer wünscht. Dazu passen auch die ersten holzverkleideten Fassaden, auf die ich mit meinen Ski geradewegs zusteuere. Die Bindung löse ich erst, als ich mitten zwischen den Gebäuden stehe.

Der Duty-Free-Run führt also quasi direkt in die Einkaufspassage hinein und macht seinem Namen außerdem alle Ehre. Um mich herum stehen in großen Lettern die Wörter „Tax Free“, „Duty Free“ und „zollfrei einkaufen“. Ich schultere meine Bretter und laufe einige Meter an den Schaufenstern vorbei. Hier gibt es alles. Angefangen bei Uhren über Taschen und Skibrillen bis hin zu Bekleidung und alkoholischen Getränken. Das ruft ja förmlich nach einer Shoppingtour.

Überblick vom höchsten Punkt

Andererseits ruft auch das Skigebiet. Die Schmugglerrunde will zu Ende gefahren werden. Der Ehrgeiz… ihr wisst ja. Und das Wetter ist auch viel zu schön, um im Geschäft zu verschwinden. Das hebe ich mir fürs nächste Mal auf. Also ab nach oben in Richtung Alp Trida. Übrigens fährt hier eine Doppelstockeilbahn hinauf. Sowas habe ich noch nie gesehen. In der Großraumgondel können die Skifahrer auf zwei Etagen Platz nehmen.

Im Schweizer Teil des Skigebiets bin ich viel zu selten. Schon so oft war ich jetzt in Ischgl und nur so selten war ich hier drüben. Aber umso mehr muss ich das nun einfach genießen. Wer weiß, wann ich es wieder über die Grenze zu den Schweizer Nachbarn schaffe. Zum Glück sind die Beinchen mittlerweile schon ein bisschen mehr gewohnt als zum bitteren Saisonstart vor ein paar Wochen und machen das alles mühelos mit. Sie dürfen sich ja dann auch wieder ausruhen.

Und zwar auf der langen Auffahrt hinauf zum höchsten Punkt im Skigebiet. Die Greitspitze von 2.872 m. Ein großes Gipfelkreuz markiert den höchsten Punkt in Pistennähe. Ich stehe unmittelbar daneben und blicke auf der einen Seite in Richtung Palinkopf, auf der anderen Seite auf die Idalp und lasse den Blick über die Bergstation am Pardatschgrat streifen. Die wirkt von hier so klein.

Zwischenstopp im Snowpark

Es ist immer wieder überraschend, wie ganz anders die Dimensionen in einem Skigebiet von oben wirken. Ich kann mir Pistenpläne sehr schlecht visuell vorstellen. Aber so aus der „Vogelperspektive“ ergibt das irgendwie alles einen Sinn. Dem Vogel mach ich gleich noch richtig Konkurrenz.

Mein nächster Stopp ist nämlich der Snowpark oberhalb der Idalp. Da treffe ich auf Basti, der so einige Tricks beim Springen auf Lager hat. Als ehemaliger Turner bringt er ein exzellentes Körpergefühl mit und hat in seinen Videos auch schon einen Backflip rausgehauen. Auch ich werde heute springen. Aber mit sanfter Landung. Sicher ist sicher. Deswegen hüpfe ich nur dort, wo hinter dem großen Kicker ein ausladendes Luftkissen aufgebaut ist.

Lady’s first. Ich mache den Anfang. Nehme Anlauf. Frage mich zwischenzeitlich, ob das zu schnell ist. Bevor ich aber weiter drüber nachdenken kann, katapultiert mich die Schanze in die Luft. Ich strecke die Beine über meinen Kopf. Und lande weich auf dem Rücken. So sollte meine Landung ohne Luftkissen auf jeden Fall nicht aussehen.

Basti legt nach. Er geht extra nochmal in die Hocke, um noch schneller zu sein. Dann springt er ab und dreht sich um 360 Grad um die eigene Achse. Das sieht viiiiieeeel eleganter aus als bei mir. Sehr cool!

Speedcheck der neuen Velilleckbahn

Ich bin aber noch nicht am Ende angekommen. Mit der neuen Velilleckbahn geht es wieder rauf zum Pardatschgrat. Die Sesselbahn ist aktuell mit 6 m/s die schnellste im Skigebiet.

Auch die Aussicht aus dem Sessel ist super. Ich blicke auf die verschneite Velillabfahrt. Die Piste wirkt auf mich immer sehr idyllisch und winterlich. Auch von hier oben aus dem Lift lässt sie die Lust auf’s Skifahren direkt wieder größer werden.

Doch auf uns wartet eine noch längere Abfahrt. Bis ins Tal geht’s hinab. Da machen wir nochmal ein paar Kilometer. Die Beinchen brennen mittlerweile schon ein bisschen. Dann haben wir die Schmugglerrunde Gold gemeistert.

Zeit für einen Einkehrschwung

Auch mein Bauch macht sich mittlerweile bemerkbar. Es wird Zeit für einen Einkehrschwung. Dafür holen wir uns noch einen Tipp von Tourismusdirektor Andreas Steibl. Im Panoramarestaurant an der Idalp soll es sehr guten Kaiserschmarren geben.

Damit ist meine Essenswahl bereits getroffen. Ich bestelle den besagten Kaiserschmarren, lasse die karamellisierten Teigstückchen auf der Zunge zergehen und schließe kurz die Augen. Bisschen erschöpft bin ich, aber es war richtig cool. Da schmeckt das Mittagessen gleich doppelt so gut!

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